Devopenspace und Spartakiade

Devopenspace Leipzig

Sie ist eine meiner liebsten (Un-)Konferenzen (weil ich nicht allzu viele besuche, ist dieser Komparativ eigentlich zu bescheiden: sie ist eher meine liebste Konferenz): der jährliche Developer Open Space in Leipzig (sprich „Leibsch“), kurz und sexy Devopenspace. 2010 war ich das erste Mal dabei und seitdem (fast) immer.

Ein Open Space unterscheidet sich von einer herkömmlichen Konferenz in vielen Aspekten, von denen so ungefähr alle angenehmer Natur sind.

Da ist zunächst die Selbstorganisation. Diese mag eine modische Denkfigur sein, die außer in natürlichen Systemen oft nicht so funktioniert wie gedacht (insbesondere wenn sie Ideologie-getrieben ist); im Falle der Leipziger 180-Personen-Veranstaltung klappt sie aber ganz prima. Was an dreierlei Dingen liegt:

  1. Der großartigen Vorbereitung der Organisatoren (nebenbei ein Dank an die Köpfe von Grossweber, auf deren Schultern das meiste lastet),
  2. den vier Prinzipien, zwei Erscheinungen und einen Gesetz des Open Space Modells und schließlich
  3. der legendären Motivation der Teilnehmenden, die in der Regel aus freien Stücken hier sind und nicht, weil sie von ihren Firmen verdonnert wurden.

Ok, die Punkte 1 und 2 relativieren das selbstorganisatorische Element ein wenig – das Ökosystem ist vorgegeben -, aber was immer während der beiden Tage passiert, ist emergent und nicht geplant.

Ein etwas schnöderer, aber nicht minder sympathischer Aspekt ist die Tatsache, dass die Teilnahme kostenlos ist. Seit 2014 wird eine Art Schutzgebühr von 75 EUR erhoben (dem Aufruf, das freiwillig aufzustocken, sind die meisten, mit denen ich gesprochen habe, gefolgt – meist wurde auf 100 EUR aufgerundet). Früher wurde nur darum gebeten – vielleicht hat das nicht ausreichend gut funktioniert, was natürlich der oben erwähnten legendären Motivation einen etwas schalen Anstrich verleihen würde. Aber wie auch immer, wir sind hier Meilen entfernt von den üblichen Teilnahmegebühren üblicher Konferenzen, die in der Größenordnung gebrauchter Kleinwagen liegen. Hier werden Kosten gedeckt und keine Gewinne gemacht. Das bestimmt den Spirit der Veranstaltung mit.

Naturgemäß schwankt die Qualität der meist einstündigen Workshops, allerdings auf einem soliden Niveau. Beschwerden sind fehl am Platze, denn der Weg zur eigenen Nase, an die man sich bei Nichtgefallen fassen darf, ist nirgendwo so kurz wie auf einer Veranstaltung, deren Agenda das Ergebnis einer kollektiven Anstrengung ist. Redner und Zuhörer sind nicht im Vorhinein festgelegt. Vielmehr sind alle gleich vor dem Altar des Open Space (Alpha-Tierchen geben sich dennoch recht schnell als solche zu erkennen – die Evolution, die ihre Algorithmen seit Millionen von Jahren hart in unsere Gene kodiert hat, zollt gut gemeinten Idealen gewöhnlich keinen angemessenen Respekt und lacht heimlich über die modernen Meme des 21. Jahrhunderts). Am Ende verbindet sich, wenn es gut läuft, der Input jeder (ca. 5%) und jedes einzelnen Beteiligten zu einem großen Kuchen aus Wissen, Inspiration und Motivation, von dem alle gemeinsam essen, ein jeder nach seinem Hunger.

Meist ist es so, dass zu viele interessante Tracks gleichzeitig laufen. Ist mal keiner dabei, freue ich mich auf eine Freistunde, in der ich im Innenhof des Commundo Tagungshotels in der Sonne sitzen kann, die seltsamer Weise trotz Herbst immer scheint (stimmt doch, oder? Ist das noch wem aufgefallen?).

Beschenkt ist man nicht nur von den Inhalten und Diskussionen inner- und außerhalb der Workshops, oder von dem meistens gesponserten Essen, sondern auch von kleinen und größeren Goodies, die zusätzlich gereicht werden, als wäre das normale Programm nicht genug. Dieses Jahr durften wir uns professionell fotografieren lassen und bekamen alle Bilder via DropBox zur Verfügung gestellt. Einfach so. Geil.

Seit zwei Jahren gibt es ein noch größeres Goodie: der ganztägige Workshop am Freitag. Während man bei den einstündigen Open Tables von Samstag und Sonntag noch verkraften kann, nicht alle mitmachen zu können, weil manche vielleicht in ähnlicher Form wiederholt werden, muss man sich am Freitag wirklich für exakt einen Workshop entscheiden. Das schmerzt Qual-der-Wahl-mäßig. Mit etwas Glück zögert man ein wenig zu lange, und alle Favoriten – bis auf einen, dann deinen – sind ausgebucht. Da suche ich mir gerne ein Thema aus, das nicht primär mit IT zu tun hat (wie F# oder so). Dieses Jahr war es Design Thinking – und es war großartig.

Der nächste Developer Open Space findet statt vom 16.–18. Oktober 2015, wie immer in Leibsch. Hin, bitte.

Spartakiade Berlin

Begrifflich stellt sich die Spartakiade, die „Konferenz, die nur aus herausfordernden Workshops besteht“, in eine interessante Tradition. Vom bekannten Anführer des Sklavenaufstands Spartakus über den Spartakusbund, einer Vereinigung marxistischer Sozialisten während des Ersten Weltkriegs, die mit der Wahl ihres Namens eine Analogie zwischen den Zuständen im alten Rom und denen des Proletariats in Industriegesellschaften herstellen wollten, ferner über die Kinder- und Jugendspartakiaden der DDR, die mit Spartakiade eine nicht mehr ganz so offensichtliche Verbindung zur Olympiade herstellten, landen wir bei einem Wochenende mit „Workshops zur Entwicklung für Android, Chrome OS, iOS, dem Web und Windows“, bei dem der Sport-Gedanke eine wichtige Rolle spielt. Die moderne Spartakiade in Berlin ist ein „Workout mit einer Kombination aus Kraft-, Konditions-, Motivations­training“.

Offen für alle, entspannt, per „Du“ und ähnlich motiviert wie der Developer Open Space. Kein Wunder, denn dieselben Leute stecken dahinter.

Die nächste Spartakiade findet am 21. und 22. März 2015 in Berlin statt.

 

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