Buchempfehlung: Jeff Atwood’s „Effective Programming – More Than Writing Code“

Wir selbstständigen Entwickler müssen ständig lernen, lesen, uns verbessern, Schritt halten, einen Überblick bewahren, in die Tiefe gehen, gleichzeitig Experten und Eierwolldings sein, sowohl soziale als auch technische Skills pflegen, kulturell nicht untergehen, uns entspannen, genießen – und dazwischen irgendwann auch noch ein wenig leben. Diese Balance zu halten ist ziemlich schwierig, und nicht selten wünsche ich mich – jedenfalls in naiven Momenten – zurück in eine mittelalterliche Zunftgesellschaft, in einen Beruf, der irgendwie überschaubar ist. Schuster vielleicht. Oder Näherin. Reduzierte Komplexität, kein ständiger zerebraler Stapelüberlauf, und schließlich, nach vielen Jahren, die gesellschaftliche Anerkennung meiner Meisterschaft. Ohne die Gefahr, dass mein Wissen in fünf Jahren vollkommen veraltet ist.

Naiv, natürlich, denn ich habe die mittelalterlichen Machtstrukturen, die Läuse, die kalten Winter, die finsteren Machenschaften der Kirche, die Despoten, die Rechtlosigkeit, die Kriege, die Gewalt und das nicht vorhandene Gesundheitssystem (jenes, über das wir gerne so leichtfertig meckern) mal eben ausgeblendet.

Also zurück in die Gegenwart und hinein in die Komplexität, ins warme Zimmer, gut gesättigt, und Teil einer im Großen und Ganzen wohlwollenden, freundlichen Community. Zudem verschont von realwirtschaftlichen Problemen, denn fähige Softwareentwickler sind nach wie vor sehr gefragt. Und mein durchaus passables Schicksal annehmend. Aktuell heißt das: meine fortlaufende Fortbildung organisierend. Zur Zeit (unter vielen anderen) ein Werk lesend, auf das ich gerne hinweisen würde (es ist allerdings auch ziemlich bekannt in Entwicklerkreisen).

Jeff Atwood, einer der Gründer von stackoverflow, schreibt  über den Programmier-Alltag in seinem Blog Coding Horror und hat einige der wichtigsten Artikel in einem Buch namens „Effective Programming – More Than Writing Code“ überarbeitet und zusammengefasst. Das Werk ist relevant, unterhaltsam und liest sich flüssig – man kann es förmlich einatmen. Es ist eine Zusammenfassung vieler wichtiger, oft vermeintlich sekundärer Aspekte unseres Berufsstandes: behandelt werden ergonomische Fragen („Lohnt sich ein guter Stuhl?“ – Antwort: megamegaabsolut; „Wieviel Monitore?“ – Antwort: mindestens zwei),  die Mitarbeiterauswahl („Wie viele sich als Programmierer bewerbende Absolventen scheitern an einer zügigen Lösung der FizzBuzz-Aufgabe?“ – Antwort: unglaublich viele), Projektmanagement, effizientes Coding und vieles mehr.

Nebenbei ist es ein Beispiel für ein Buch, dass sich als elektronisches (Ebook) besser liest als als physisches (und obendrein ist es noch deutlich billiger), allerdings am besten nicht auf Kindle und Konsorten, sondern auf einem Tablet, weil es durchsetzt ist von vielen, vielen Links.

Mein Tipp für den Herbst.

Kindle-Version Totholz-Version

Sorry für die Amazon-Werbung, aber vielleicht seht ihr sie gar nicht, weil Ghostery sie ausblendet.

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