Beeindruckend frech: Betrug durch Europcar-Interrent Autovermietung Italien

175 EUR für Parken ohne Ticket

Für 12 Tage hatten wir in Pisa bei Europcar-Interrent ein Auto gemietet. Einmal haben wir geparkt, ohne ein Ticket zu ziehen. Ein fast leerer Parkplatz, eine kurze Besichtigung – und am falschen Ende gespart und von solchen Vorstößen für immer geheilt.

Zu der normalen Strafe kam die Bearbeitungsgebühr der Autovermietung in Höhe von 45 EUR dazu. Okay, so stand es im Vertrag, und immerhin müssen sie wirklich heraussuchen, wer wann das Auto gemietet hatte und die Adresse an die zuständigen Behörden weitergeben. Ein guter Stundensatz, und ärgerlich, aber in Ordnung. Und irgendwo müssen die Einnahmen herkommen.

Denn es herrscht ein so harter Internet-Preiskampf zwischen den Autovermietungen, dass diese ihr Geld dann vor Ort mit (teilweise aggressiv aufgedrängten) Zusatzleistungen wie Vollkaskoversicherungen und Extras diverser Natur, aber auch saftigen Bearbeitungsgebühren gegen dies und jenes (gegen die man sich dann auch wieder versichern kann), falls etwas nicht so läuft wie geplant. Die Preisgestaltung praktisch aller Konkurrenten ist auf die Vergleichsportale im Internet optimiert, und irgendwie müssen sie die knappen Margen einer regulären Billigausleihe aufstocken. Wussten wir, und dafür, so dumm gepokert zu haben, sind wir abgestraft worden.

Das Geld wurde dann über meine Kreditkarte, für deren Belastung man der Autovermietung für ein Jahr alle Rechte überschreibt – gruselig, aber so läuft das – abgebucht.

Fünf (5, FÜNF!) Monate später kam dann erneut eine Mail von Europcar-Interrent Italien, dass weitere 45 EUR abgebucht würden. Mit folgender “Begründung” (Hervorhebungen von mir):

Dear Client,

with reference to the vehicle you hired with Rental Agreement N. 30063619 from 12/05/2016 to 23/05/2016, we would like to inform you that some damages not listed as preexisting at check out time have been evidenced by our staff during the check in operations.

We also wish to inform you that according to the provisions of article 11 from the Europcar General Rental Terms & Conditions you subscribed, we will charge, after 14 days from the date of this notice, the administrative cost foreseen, corresponding to the amount of Euro 45,00.

We remain at your disposal for any further clarification you may need.

Best regards
Europcar Italia S.p.A.
customerservice.it@interrent.com

Eine höflich wütende Antwort von mir wurde ignoriert, und drei Wochen später wurde mein Kreditkartenkonto mit 90 (!) EUR belastet. Eine weitere Mail wurde natürlich ebenfalls ignoriert. Ich habe nicht geschafft, irgendwelche Verantwortlichen zu kontaktieren. We remain at your disposal for any further clarification you may need ist eine Lüge (allerdings keine unübliche in Servicewüsten).

Es lässt sich schnell recherchieren, dass solche Methoden Usus sind: https://www.startpage.com/do/search?query=autovermietung+betrug

Es gibt den European Car Rental Conciliation Service (ECRCS), eine Organisation, bei der man solche Vorfälle melden kann. Und es gibt bei den meisten Hausbanken die Möglichkeit, illegitime Kreditkartenabbuchungen zu melden (was allerdings Fällen dieser Art angeblich selten erfolgreich ist).  Beides habe ich getan und harre nun der Dinge.

Warnungen ignoriert

Wahrscheinlich wird das Lehrgeld – weniger dafür, hin und wieder über die Parkraumbewirtschaftung mitzufinanzieren, sondern dafür, wieder mal nicht ausreichend recherchiert zu haben. Denn:
> https://www.consumeraffairs.com/travel/europcar.html
>
 https://www.tripadvisor.com/ShowTopic-g187768-i20-k3242102-WARNING_car_rental_Europcar-Italy.html

Und wie lange funktioniert dieses Geschäftsmodell noch?

Ich frage mich: funktioniert das langfristig? Europcar ist kein kleiner Verein. Es versteht sich von selbst, dass wir niemals wieder, in keinem Land der Erde von einer Autovermietung, die den Namen Europcar oder Interrent trägt, ein Auto mieten werden. Niemals, nirgendwo, never ever. Es versteht sich auch von selbst, dass wir allen Freunden und Bekannten, die einen Urlaub planen, erzählen, von welchen Anbietern sie die Finger lassen sollen.

Aber klar ist auch: das passiert mit anderen Anbietern genauso (wir haben selbst unglaubliche Geschäftspraktiken mit Solmar in Spanien erlebt). Was also ist das Fazit?

Yes: wie früher Bus und Bahn fahren. Raus aus der Komfortzone. Leute treffen. Aus dem Fenster schauen.

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